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Dienstag, 17. Juni 2014

SALUTE

SALUTE

John Fords zweiter Tonfilm ist eine Mischung aus Akademie- und Sportfilm, der wesentlich weniger gravitätisch als THE BLACK WATCH daherkommt, aber ebenfalls immer noch sehr behutsam im Umgang mit der Tonspur ist. Die Handlung ist vernachlässigbar, konzentriert sich der Film doch vorrangig auf die Football-Schlacht, die Ford gegen Ende sogar unter strömendem Regen furios inszeniert.

Erwähnenswert noch durch Stepin Fetchit, dem ersten schwarzen Schauspieler, der in einer Hollywood-Produktion einen Credit bekam, der die Figur des "laziest man in the world" entwickelte, damit alle Bimbo-Klischees bediente, jedoch gleichzeitg dadurch die längsten Monologe hatte und einer der ersten schwarzen Millionäre der USA wurde.

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Wohl die kurioseste Szene des Films. Smoke Screen ist Paul in Admirals-Uniform quer durchs Land gefolgt. Wie er das 1929 im Zeitalter der Rassentrennung in dieser Aufmachung geschafft hat, lässt Ford offen. Paul ist nur entgeistert und fleht ihn an sich umzuziehen, bevor man ihn verhaftet.

Anderer Versuch

Leider komme ich mit meinem Versuch das Jahrhundert zu durchschreiten in diesem Blog nicht voran. Dies liegt sowohl an väterlichen, als auch an beruflichen Pflichten. Da ich aber trotzdem noch ein Pensum von ca. 30 Filmen im Monat schaffe, teile ich hier einfach ein paar Eindrücke zu einem Regisseur mit, der von mehr Giganten des Kinos als Einfluss benannt wird, als jeder andere Film-Regisseur.

John Ford war ein Western-Regisseur. So sagt man jedenfalls und er selbst hat das auch getan. Tatsächlich durfte seiner Meinung nach nur er das sagen, da er ausrastete, wenn andere ihn als Western-Regisseur bezeichneten. Er war in nahezu allen klassischen Genres des Hollywood-Kinos tätig und in den meisten hat er stilbildende, maßstabsgebende oder wenigstens interessante Beiträge abgeliefert, Klassiker, wie Meisterwerke. Bei genauerem Hinsehen stellt man jedoch fest, dass viele seiner Filme, die entweder filmhistorisch oder für andere Filmschaffende bedeutend sind, gar keine Western sind. Bei noch genauerem Hinsehen stellt man sogar fest, dass diverse seiner Western keine Western sind. Der 1917 entstandene BUCKING BROADWAY wird als Western deklariert, spielt aber zu seiner Zeit auf einer Ranch und ist schlussendlich eine Romantic Comedy, die in New York endet, wo die Hauptfigur in Schwierigkeiten gerät und die gerade mit einem Viehtransport per Bahn angekommenen Freunde aus der Ranch-Zeit auf ihren Pferden zu Hilfe kommen und so Cowboys den Broadway erobern. Oder die Komödie JUST PALS (1920), die ebenfalls als Western gelistet wird, tatsächlich aber die Geschichte eines "Gimpels" in einem kleinen Kaff erzählt wird, der sich mit einem Kind anfreundet und beide aufeinander aufpassen müssen, in der Welt der Erwachsenen nicht unterzugehen. Viele seiner Filme der 1910er und 20er Jahre, die als Western gelten, beinhalten nur wenige oder sogar gar keine Western-Elemente, sondern sind contemporary movies, die lediglich auf dem Land spielen.

Zurzeit beschäftige ich mich nochmals mit Fords Tonfilmen ab 1928. Einige sind mir bereits bekannt, andere nicht.  Ich starte hier mit Fords erstem, vollständigen Dialog-Feature-Tonfilm, da Ford bereits 1927 auf 1928 einen Kurz-Tonfilm und dialoglose Tonfilme mit Sound- oder Klangcollagen gedreht hat.

 THE BLACK WATCH

Der erste Tonfilm John Fords - 1928 entstanden, 1929 uraufgeführt - leidet ein wenig an Mirna Loys Stumm-Film-Schauspielerei, ist aber als Spionage-Film vor allem durch einige Wendungen am Schluss höchst ungewöhnlich, durch einige expressionistische Elemente und eine geniale Szene, in der Ford den Gesang eines schottischen Regiments mit dem Gesang eines Muezzins parallelisiert und die Ähnlichkeit der Kulturen so durch die Musik im Geiste evoziert. Selten wurden mir Übernatürlichkeiten mit solch einer Selbstverständlichkeit präsentiert. Meines Wissens auch der einzige Film Fords, mit klar gezeichneten übernatürlichen Elementen. Auch anderes ist interessant...

Da es damals noch keine Tiefenschärfenverlagerung gab, entwickelt Ford diese durch die Bildkomposition


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Anonyme Schützen, die ins Nichts feuern

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Yasmani ist die Göttin und doch nicht Göttin, die durch männliche Destruktion gestürzt wird, obwohl sie den Frieden gebracht hätte
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Anonymes Abschlachten Hunderter
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Donnerstag, 6. März 2014

Magical History Tour 1906

Für den kleinen Hunger zwischendurch. Walter R. Booth ist ein Beweis dafür, dass faszinierendes Trick-Kino nicht nur von Georges Méliès oder Segundo de Chomón präsentiert werden konnte und zeigt uns die Amokfahrt eines "Motorisierten", der auch vor der Fahrt durchs Weltall nicht zurückschreckt, um der Polizei zu entkommen. Eine der letzten Arbeiten, die Booth für den Produzenten Robert Paul gemacht hat, bevor er sich höheren Aufgaben zuwendete.

Dienstag, 4. März 2014

Magical History Tour 1905

LA PRESA DI ROMA ist vor allem ein Film, der durch Ausstattung punkten möchte. 1896 wurde die erste Filmkamera vom Papst gesegnet und dies war der Startschuss des italienischen Films. Filoteo Alberini gehört zu den Filmpionieren, die sogar noch an einer eigenen Technik der Filmwiedergabe gearbeitet haben und im Jahre 1905 den, so heißt es, ersten "dramatischen Film" des italienischen Kinos unter der Ägide seiner eigenen Produktionsfirma realisiert hat. Der Film beschäftigt sich mit der Epoche "Risorgimento", zu deren Abschluss der Kirchenstaat und die Stadt Rom durch italienische Truppen dem Land einverleibt wurden und aus dieser "Wiederauferstehung" Italien als neue Nation hervorging. Alberini kann jede Menge historischer Originalkulissen aufbieten, Italien eben, und scheut auch vor Bildeinstellungen nicht zurück, welche das Schlachtengetümmel erfahrbar machen sollen. Am Ende stehen bürgerliche, geistliche, militärische und politische Vertreter geeint unter der Trikolore, gehalten vom weiblich-bündelnden Element. Zum einen versucht Alberini ein historisches Ereignis zu erfassen, zum anderen möchte er lehren und einen. Weiterhin schenkt er durch seine opulenten Bilder einen Ausblick auf das spektakuläre italienische Monumentalkino eines Giovanni Pastrone der 1910er Jahre.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Magical History Tour 1904

In LA SIRÈNE zeigt George Méliès bereits künstlerische Richtungen wie den Dadaismus, den Surrealismus oder sogar das Kafkaeske auf. Im Sinne des europäischen, genauer des französischen Kinos, welches auf Illusions- und Affekterleben ausgerichtet war, wird der Rezipient mit ständigen Realitätsveränderung konfrontiert. Ein Becken mit Wasser wird rückwirkend zum Aquarium umfunktioniert durch die Entwendung von Wasser aus selbigem, um durch die Zweckentfremdung eines Zauberstabes – er wird zur Angel – Fische aus einem Zylinder zu fischen, der mit Wasser aus dem Becken gefüllt wurde. Das Aquarium wird nun zu solch einem, doch plötzlich wird der Illusionist (übrigens Méliès selbst) ein alter Gaukler/Angler, der auf wundersame Weise immer mehr Fische in das Aquarium zaubert, Hasen aus dem Hut, dem Aquarium ein "Framing" verpasst, welches es plötzlich zu einem Natur-Bestandteil werden lässt und sich dann in einer Hängematte ausruhen möchte. Plötzlich ist er wieder der Illusionist vom Anfang und verwandelt schließlich die gesamte Kulisse in eine Unterwasserwelt. Mittels eines Pseudo-Zooms werden wir in eine Bild-im-Bild-Illusion gesaugt und hier erwacht in der Doppelung des Bildausschnitts eine Meerjungfrau zum Leben. Diese wird in die „erste Realität“ gezogen wird vollständig menschlich und präsentiert sich auf der Chaiselongue. Der Illusionist wird seinerseits zum Meeresgott Neptun und so erfüllt sich die Umwandlung von einem Aquarium in unserer Welt zur Unterwasserwelt. Die Assoziationskraft, mit der Méliès hier arbeitet, erscheint als reines Produkt einer unkonzeptionierten Zaubershow, die einen völlig freien Run zur Interpretation bietet. Diesen eher unbedeutenden Film im Schaffen des Regisseurs habe ich gewählt, da selbst er, vielleicht gerade wegen seiner eher uninspirierten Art, die Explosionskraft eines freien künstlerischen Geistes repräsentiert, wie er für den europäischen Film prototypischer werden sollte, im Vergleich zum amerikanischen. Ein Spielen mit dem Medium als Durchdringung unserer Wahrnehmung. Als Bestandteil unserer Welt, der die seinige zur Realität werden lässt, bis alles nur noch Fantasie bzw. die Fantasie Realität geworden ist.