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Mittwoch, 29. Februar 2012

Höhepunkte

(THE BIG PARADE)
USA 1925
Regie: King Vidor


Selten hat ein einziger Film einen derartigen Push für einen Regisseur bedeutet. Auch wenn King Vidor unzweifelhaft zu den größten amerikanischen Regisseuren aller Zeiten gezählt werden kann und er nach DIE GROSSE PARADE 1925 sogar als der größte amerikanische Regisseur überhaupt bezeichnet wurde – der neue Griffith – so lässt sich doch sagen, dass Vidor, anders als die anderen Großmeister des (amerikanischen) Kinos, starken Schwankungen unterworfen war. Zu wirklicher Größe schaffte er es immer nur dann, wenn er wirklich von einem Projekt überzeugt war und wenn es mit seiner künstlerischen Vision kompatibel war. Künstlerische Visionen hatte King Vidor nämlich und er war einer der wenigen Regisseure, die es zurzeit des klassischen Hollywoods schafften diese auch dann und wann in seinem Sinne ungehindert umzusetzen. Dazwischen gibt es viel Konfektionsware, die plötzlich nichts von Vidors Größe, oder zumindest wenig, erkennen lässt. Andrew Sarris meinte deshalb auch mal recht passend, dass Vidor weniger ein Regisseur von vielen großen Filmen, als mehr von vielen Filmen mit großen Momenten war (selbst mich als Hasser von Kinderdarstellungen rührt das Spiel des kleinen Jackie Coopers in Vidors DER CHAMP 1931 zu Tränen).

Anders als der von mir neulich hier besprochene John Ford hatte Vidor mit Irving Thalberg einen mächtigen Gönner, der ihn voll und ganz bei seinen Vorhaben unterstützte und so machte Vidor sich auf, den inflationsbereinigt bis heute kommerziell erfolgreichsten Stummfilm aller Zeiten zu drehen. Auch die künstlerische Vorgehensweise ist gänzlich anders. Während John Ford seine Bilder und Themen versucht in einem permanenten Gleichgewicht zu halten, klotzt Vidor bei allem ran. Hier wurde nichts weniger getan, als das ultimative Hollywood-Werk zu schaffen, voll von absurdem Kitsch, megalomanischem Aufwand, urkomischem und hintergründigem Slapstick-Humor, Mut zum Experiment und epischer Wucht. Hier gibt es kein Gleichgewicht, sondern es wird vorgegangen nach der Devise: Viel hilft viel! Und so hilft es auch viel.

Die Geschichte eines New Yorker Bonvivants aus gutem Hause, der vom Rhythmus einer großen Parade, die freudig vom Eintritt in den Ersten Weltkrieg kündet, und seinen besoffenen Kumpels zum Rekrutierungsbüro mitgerissen wird, der sich in Frankreich, obwohl er verlobt ist, Knall auf Fall in eine Bauernmagd verliebt und beiden klar ist, dass sie kein Krieg, keine Raum und auch nicht die Zeit werden trennen können. Der in der Etappe fast verrückt wird, dessen im Krieg gewonnene Freunde alle sterben und der schließlich als Krüppel zurückkehrt. Doch der Film hält nicht nur ein Happy End parat, sondern DAS Happy End, oftmals als das größte Hollywood-Happy-End der Filmgeschichte bezeichnet. Dank Vidor auch hier nicht nur überzeugend, sondern in seiner Absurdität geradezu wahrhaftig. Wenn das Bauernmädchen den schweren Pflug dirigiert und jetzt weiß, wie man Kaugummi kaut – vorher schluckte sie ihn gleich runter – und am Horizont plötzlich eine schemenhafte Gestalt herum stolpert, die sich immer deutlicher als ihr amerikanischer Soldat entpuppt, dann will man, dass sie sich in die Arme fallen.

Es gibt noch viel zu schreiben: Vidors sozialistische Bemühungen alle auf Augenhöhe zu bringen. Der einfache Arbeiter vom Bau, der zwielichtige irische Bartender, der verwöhnte Reiche-Leute-Sohn. Im Krieg sind sie plötzlich alle gleich. Die legendäre Granattrichterszene mit einem deutschen Soldaten, bei dem unsere Hauptfigur plötzlich erkennt, dass auch der Gegner ein Mensch ist, die dokumentarische Rüttel-Kamera beim stupiden Infanteriemarsch auf ein MG-Nest zu, ein Kriegsspektakel mit Tausenden von Extras als Soldaten, Hunderten von Fahrzeugen, Panzern und 100 Kriegsflugzeugen…

DIE GROSSE PARADE ist ebenfalls ein Endpunkt. Nicht im Sinne des amerikanischen Pragmatismus', sondern im Sinne von Hollywood an sich. Mehr ging nicht mehr, bevor es anfing unglaubwürdig zu wirken.

Die wohl berühmteste Szene des Films sagt deshalb auch alles aus. Nicht nur über den Film, sondern auch über Hollywood als Traumfabrik. Die Soldaten müssen an die Front, die schöne Zeit in dem französischen Dorf ist vorbei und Melisande und James haben sich kurz vor Marschbefehl gestritten. Da packt es sie und sie rennt ins Chaos, denn sie muss ihn noch einmal sehen.

http://www.tcm.com/m...ming-Back-.html

Kommentare:

  1. Lieber Außenseiter,

    in meiner Überforderung und der vertrauensvollen Hoffnung, bei dir auf Verständnis für diese Frage zu stoßen, möchte ich, ganz off topic, fragen:

    Gibt es Filme von Sidney J. Furie nach THE ENTITY (den ich gestern gesehen habe), die du einem völlig Actiongülle-unerfahrenen Menschen wie mir, der von Furie sonst außer THE IPCRESS FILE und eben THE ENTITY bisher nichts gesehen hast, empfehlen würdest?

    Ich kann mir nach diesen beiden ungeheuren Filmen nicht vorstellen, dass alles, was er zwischen 1985 und heute gedreht hat, völliger Mist ist. Die DVD-Cover mit blonden Zombies vor US-Flagge sehen alle gruselig aus, aber ein Regisseur, der diese beiden Filme gemacht hat, kann doch unmöglich 30 Jahre lang nur schrottige Routine fabrizieren?

    Falls du mir weiterhelfen kannst, wäre ich dir sehr dankbar. Ich bin wirklich scharf, aber eben auch völlig überfordert mit dieser umfangreichen Filmographie, über die man nirgends Verlässliches (= Interessantes) lesen kann.

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  2. Hallo Christoph. :)

    Ich muss gestehen, dass ich mich mit Sidney J. Furie nur begrenzt auskenne, da ich mich mit seinem Werk nie eingehend beschäftigt habe, doch was ich mir anhand der Filme, die ich gesehen habe, erschließen konnte, so ist er doch vorrangig ein Handwerker, der sich immer sehr dem im Drehbuch festgelegten Konzept angedient hat. Das jedoch bis in die 1980er Jahre hinein mit manchmal erstaunlichen Glanzlichtern. IPCRESS - STRENG GEHEIM und ENTITY sind da tatsächlich schon die Speerspitze. Den Ehrgeiz, einen Film formal konzis umzusetzen, kann man Furie nicht absprechen, doch geht das nicht immer auf. Eine geschlossene Vorgehensweise ist kaum erkennbar. Nichts in bspw. HIT (1973) deutet auf die expressionistische und psychotronische Kraft eines IPCRESS hin. Chamäleonid passt Furie sich für HIT an die formale Strenge und den mathematischen Schnitt des New Hollywood dieser Jahre an, was ihn deshalb wiederum interessant macht, weil zwei afroamerikanische Lichtgestalten (Billy Dee Williams und Richard Pryor) die Hauptrollen spielen, aber Furie den Film sehr gekonnt um die Blaxploitationklischees herumschifft und im Grunde einen staubtrockenen Krimi mit zwei Farbigen inszeniert, die derart hawksianisch agieren, dass ihre Hautfarbe überhaupt keine Rolle zu spielen scheint. Aus den Reihen des damaligen Black Cinema somit etwas positiv herausstechend, wenn auch langatmig.

    Interessant aus den 1960ern sind eigentlich nur noch LEDERJUNGEN, weil Furie da noch gut vom britischen Team profitieren kann und seine Gestaltung der Fernsehserie PETROCELLI, in der er sich mit der amerikanischen Gerichtsbarkeit auseinandersetzt. 30 Jahre später inszeniert er das Thema Justitia noch mal und reichert es mit persönlichen Verwicklungen des Verteidigers in ein Mordkomplott an, verirrt sich aber ein wenig in diesem Courtroom-Ehebruchs-Korruptions-Thriller. Dabei handelt es sich um TOTAL DEFENSE (1998) mit Michael Dudikoff in einer seiner wenigen Nicht-Action-Hauptrollen.

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  3. Ein tatsächlich öfters widerkehrendes Thema ist der Krieg, da besonders Vietnam. Allerdings interessiert sich Furie in diesen meistens nicht für den Krieg selbst, sondern für das, was Krieg mit sich bringt oder abseits des eigentlichen Kriegsgeschehens in ihm abläuft. Storytechnisch interessant macht er das in dem von ihm auch selbst gescripteten DIE BOYS VON KOMPANIE C (1978), wo er das Prinzip aus ROLLERBALL - Sport als Allegorie auf den Krieg - für den Vietnamkrieg aufgreift. Damit nimmt er im Grunde John Hustons zwei Jahre später gedrehten FLUCHT ODER SIEG vorweg. Dadurch, dass es sich um eine amerikanische Co-Produktion mit der Golden Harvest handelt und der Film durch philippinische Production Values die materielle Grundlage hat, entsteht unter der engagierten Regie Furies ein sehr interessantes Culture-Clash-Potpourri. Auch EINMAL HÖLLE UND ZURÜCK (1984) behandelt ein Erlebnis während des Vietnamkrieges und wurde wieder von Furie selbst geschrieben, nur geht es hier nicht um Heißsporne, die sich durch Sport abreagieren, sondern um eine Liebesgeschichte, die arg bieder auf TV-Film-Niveau präsentiert wird. Von dem habe ich leider nichts mehr in Erinnerung. Vietnam sollte Furie noch in GOING BACK (2001) und THE VETERAN (2006) beschäftigen, die beide bemühte Versuche sind, ein differenziertes Bild damaliger Ereignisse zu gestalten, aber Probleme durch die B-Movie-Budgetierung haben, gegen die Furie im Alter kaum noch aninszenieren kann.

    Eine Verlagerung in den Irak fand mit AMERICAN SOLDIERS und RISE OF WAR statt, wo bei erstem ein differenzierender Ton nicht zu finden ist (vermutlich weil der Irak-Feldzug zum Zeitpunkt seiner Entstehung noch "heiß" war) und beim zweiten, ein paar Jahre später gedreht, versucht wird, sich mit Themen wie Posttraumatischen Belastungsstörungen zu beschäftigen. Auffällig ist jedoch, dass Furie trotz allem immer nur die amerikanische Sicht vermittelt. Egal, welche Dekade, egal welcher Krieg, immer scheinen nur Amerikaner die Leidtragenden gewesen zu sein. Die Stählerne-Adler-Reihe, bei der Furie mit allen vier Filmen betraut war, stellt daher auch wirklich den Gipfel dümmlichen Reagan- und Post-Reagan-Kinos dar, singt ein uneingeschränktes Loblied auf die Luftwaffe und segnet jeden illegalen Eingriff seitens der Amerikaner in andere Länder kritiklos ab. Mir persönlich ist das egal, da ich keine Ideologieprobleme bei Filmen kenne, aber es sollte schon erwähnt werden. Die z.T. vorhandene, deutlich zu erkennende Stümperhaftigkeit der Inszenierung lässt ebenfalls nicht vermuten, es mit dem Regisseur von IPCRESS, HIT, DIE BOYS VON KOMPANIE C oder ENTITY zu tun zu haben. Hier ist Furie schon viel dichter an seinem Spätwerk. Letztlich ist diese versagende Inszenierung bei den Stählerne-Adler-Filmen dafür verantwortlich, das ich die Filme schon damals als Kind nicht mochte. Somit bleibt mir da nicht mal eine Chance auf nostalgische Verklärung.

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  4. Weitere Chamäleon-Beispiele sind die Adaption von Event-Katastrophen-Movies auf B-Filmniveau mit BOOMER - ÜBERFALL AUF HOLLYWOOD (1990), der zumindest gut aufgelegte Darsteller und eine schöne Scope-Fotografie hat, tarantinoeske Gangsterkomödien wie SHOWDOWN (1997), der mir persönlich ganz gut gefiel, was ebenfalls mehr an den gutgelaunten Hauptdarstellern lag, Buddy-Klamotten wie LETHAL POINT (1995), der auch mehr was für den Hunger für zwischendurch ist oder eine Rodney-Dangerfield-Komödie (MONTY IMMER HART AM BALL, 1991) und wo Rodney Dangerfiel draufsteht, ist bekanntermaßen auch nur Rodney Dangerfield drin.

    Dann gibt es noch zwei höchst unterschiedliche Actionfilme mit Dolph Lundgren. DETENTION - DIE LEKTION HEISST ÜBERLEBEN (2003) ist eine Art STIRB LANGSAM im Klassenzimmer und besticht durch seine unfreiwillige Komik. DIRECT ACTION (2004) gehört im Spätwerk Furies , also die 2000er, mit Abstand zum formal sichersten. Eine Art HIGH NOON in der Großstadt und Gegenwart, sehr nüchtern, sehr präzise, ein typisch formalistisches Alterswerk (erinnerte mich in seiner angelsächsischen Geschliffenheit an Sturges, Siegel oder Zinnemann in den 1970ern) mit klar funktionierendem Spannungsbogen und einer tollen Frauenfigur. Trotzdem lässt sich wohl sagen, dass Furie vorrangig ein Männerfilm-Regisseur ist und vor allem ab den 1990ern da dann auch nicht mehr rausholt, als unbedingt notwendig. DER KREIS (2001) und ROAD RAGE (2000) sollen noch ambitioniert bzw. inszenatorisch spannend gestaltet sein, aber die kenne ich nicht.

    Zum Schluss komme ich zu meinem Liebling von Furie, dem allseits gehassten SUPERMAN IV - DIE WELT AM ABGRUND. Gänzlich anders als Donner, der in seiner monumentalen Größe erstarrt und Richard Lester, der zwar seinen typischen doppelbödigen Humor einbaut, der die Sache auflockert, aber an der Epik trotzdem nicht vorbeikommt und ebenfalls 2 Stunden Laufzeit benötigt, serviert uns Furie mit dem vierten Teil das, was Superman ja ursprünglich mal war: ein Comic-Strip. In knackigen 87 Minuten, mit herrlich altmodischen Effekten, die hinter den '78er-Film zurückfallen, bunter als die anderen Teile, mit komprimierten Szenenauflösungen - hier wird sich wirklich mit nichts lang aufgehalten -, einem ebenbürtigen Gegner und herrlich blödsinniger "Atomwaffen! Nein Danke"-Message (Supi wirft einfach alle bösen Bomben in die Sonne) wird sich hier aufrichtig zum Trash bekannt. Furie muss daran Spaß gehabt haben.

    So, mehr fällt mir nicht ein. Ich hoffe, Du kannst irgendwas davon verwenden. :)

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  5. Doch doch, davon kann ich so einiges verwenden, bzw. sehr nützliche Vermutungen anstellen, nach denen ich meine Prioritätenliste ordne.;-) Das klingt zwar schrecklich und verstößt auch gegen meine grundsätzliche Auffassung, dass es innerhalb einer Filmographie so etwas nach Möglichkeit gar nicht geben sollte, man also einfach willkürlich guckt - aber leider, leider, ich kann das bei Regisseuren, deren Spätwerk sich in den 90igern und 2000ern ereignet hat und dass verdächtig nach Gebrauchsfilm riecht, dann doch nicht lassen. Als ich gestern auf eigene Faust suchte, war ich doch sehr ernüchtert, die (scheinbare?) Uniformität der DTV-Vermarktung vor meinen Augen ausgebreitet zu sehen. Über die Filme nach 1985 las ich auch nirgends etwas wirklich Positives (außer über CORD, der zufälligerweise auch die von mir sehr geschätzte sleaze Jennifer Tilly aufbietet und somit auf der Prioritätenliste weit nach oben gerutscht ist), aber das muss noch nichts bedeuten.
    Was mir nicht gefällt, ist dieser Atem von Amerikanismus, den diese Cover atmen und der auch den Filmen allerorts zugeschrieben wird. Das hat vielleicht noch nicht einmal so sehr ideologische Gründe - ich finde so etwas schlicht oft sehr enervierend.

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  6. Aber ich werde sehen. Deine Einschätzung von Furie als Drehbuchorientiertem Handwerker verschreckt mich auch nicht. Viele behaupten das Gleiche ja sogar von meinem geliebten John Frankenheimer, dessen oft gescholtenes Spätwerk sich mir bisher fast ausschließlich als fiebrige Ultrakunst offenbarte.
    Es ist schade, dass ich gar nicht groß Gelegenheit habe, mich mit Furies Frühwerk, etwa bis ENTITY / PURPLE HEARTS zu beschäftigen - diese ersten 20 Jahre seiner Karriere scheinen durchaus von so etwas wie auteuristische Kontinuität und pittoresken Details wie regelmäßigen Clashs mit Produzenten geprägt gewesen zu sein, was vielleicht erklärt, warum Furies Karriere früher "den Bach herunterging" als die mancher Kollegen seiner Generation. Zwar wären mir nahezu alle Filme zwischen DR. BLOOD'S COFFIN und PURPLE HEARTS verfügbar (viele davon klingen nach der totalen Verführung, leider), doch beinahe all diese Filme waren Scope-Filme und beinahe alle kursieren derzeit ausschließlich in Vollbild-Fassungen, was für mich ein Unding ist (ich halte allerdings Ausschau nach HIT!, der in deiner Beschreibung faszinierend klingt und als deutsche Premiere-Fassung zumindest in 1:1,85 auffindbar sein müsste). Zumal ich aufgrund der beiden erwähnten, mir bekannten Titel weiß, wie extrem Furie das Formt gerne ausreizte. Ich muss mich daher wohl oder übel früher als von mir bevorzugt dem Spätwerk widmen (erfahrungsgemäß gehe ich hier lieber ganz grob chronologisch vor, da das bei mir i. d. R. keine massiven Enttäuschungen sondern im Gegenteil eine Klarheit des Blicks und ein größeres, vor allem auch flexibleres Vertrauen in den Ansatz eines Regisseurs bewirkt - sowie, natürlich, all diese aufregenden gedanklichen Verästelungen im entfernten, manchmal auch unmittelbaren, oft auf verdrehte Weise ganz konsequent widersprüchlichen Zusammenspiel mit dem Frühwerk auslöst, wegen derer ich Spätwerke sog. "Handwerker" - also allerdings natürlich: inspirierter Handwerker... ob Furie das später noch war? - so besonders faszinierend finde. DIRECT ACTION hört sich demzufolge natürlich besonders interessant an.)

    Was SUPERMAN IV betrifft, glaube ich dir das unbesehen. Ich habe noch keinen der vier Filme gesehen, aber ich rechne inzwischen auch beinahe mit einem "Ranking" (schon wieder) in umgekehrter Reihenfolge, von IV abwärts bis I, wenn ich die Filme dann endlich einmal sehen sollte. Auch wenn es, so gesehen, natürlich bedauerlich ist, dass die Ellipsen des Films wohl eher auf die Kürzungen seitens Cannon als auf Furie zurückzuführen sind.

    Also, wie auch immer sich das entwickeln sollte - nochmal vielen, vielen Dank für deinen Beinahe-Essay - auf eine so ausführliche Antwort hatte ich gar nicht zu hoffen gewagt.;)

    PS: Die LEDERJUNGEN habe ich schon länger ungesehen hier liegen, da der Film auch über seinen Regisseur hinaus für mich eine hohe thematische "Relevanz" (Queer / Biker / Free Cinema) hat - er war mehr oder minder auch der erste Anlass für ein erstes Interesse an Furie. Ohne THE LEATHER BOYS gesehen zu haben, trieb mich der Name nur wenige Monate später in eine Vorstellung von THE IPCRESS FILE auf dem "Cambridge International Film Festival" (warum auch immer sich das so nennt).

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  7. Das klingt alles sehr interessant. Vielleicht würdest Du, wenn Du einige der Furies gesehen hast, Dich hier noch mal zu Wort melden, um Deine Eindrücke mit meinen zu vergleichen. Bei einigen Filmen liegt es schon bald ein Vierteljahrhundert zurück, dass ich sie sah. DER HIT und EINMAL HÖLLE UND ZURÜCK kenne ich nämlich wirklich nur von den alten Vollbild-VHS und da war ich noch nicht ganz in der Pubertät angekommen. Viel rekonstruiere ich mir dann rekognitiv. Wäre also interessant, sich da noch weiter drüber zu unterhalten. Könnte auch extra einen Furie-Gesprächseintrag für eine Diskussion eröffnen. Bei DER HIT leidet die deutsche Fassung ein wenig an der Synchro. Der lief damals über CIC und die hatten einen Spezialvertrag mit Alster Studios, deren Synchros immer sehr aufgesetzt, trocken und arg nach Studio klangen. Die Premiere-Fassung hat zwar den von Dir erwähnten Vorteil der 1.85:1 Breitwand, aber ist im Vergleich zur VHS um 2 Minuten gekürzt. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du Dich diesbzgl. noch mal meldest. Vielleicht würde ich mir auch noch mal den einen oder anderen ansehen und man könnte frische Eindrücke austauschen. ;)

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  8. Ob ich mir zutraue, mich überhaupt zu diesen Filmen zu äußern, ist sehr fraglich. Das ist ein Terrain, mit dem ich schlicht nicht sonderlich vertraut bin, und als Rezipient bin ich sicherlich auch nicht so sachlich und vergleichsweise wissenschaftlich wie du. Seit meinem letzten Kommentar habe ich THE BOYS (unglücklicherweise in 1,85 statt Scope) und PURPLE HEARTS (glücklicherweise nicht in VHS-Vollbild;) gesehen und von beiden in vielerlei Hinsicht enorm fasziniert, wenn auch ohne den "Oho!"-Effekt und die aufregende Irritation, die IPCRESS und ENTITY hatten. Aber das fällt unter Erwartungshaltung, und von so etwas versuche ich mich grundsätzlich immer, soweit wie eben möglich, freizumachen - ich hatte von beiden Filmen nichts Konkretes erwartet: erst einmal überhaupt - sehen.
    Ob ich aber wüsste, wie ich mich diesen Filmen schriftlich nähere... schwierig, sehr schwierig. An sich reizt mich die Idee einer Diskussion durchaus, sehr sogar, nicht zuletzt auch, weil sich niemand sonst so mit Furie (der, dessen bin ich mir nach diesen vier Filmen allerdings schon sicher, eindeutig interessant genug ist, um das zu rechtfertigen) auseinandersetzen würde - aber zum einen schüchtert mich, offen gesagt, dein routinierter Ansatz doch etwas ein und zum anderen bin ich im Begriff, für zwei Monate ins Ausland aufzubrechen, was mich begreiflicherweise etwas ablenkt. Ich überlege mir das noch und versuche vielleicht zunächst einmal, einen Sehtagebuch-Kommentar zu PURPLE HEARTS zu formulieren.

    (Im Wartezimmer liegen derzeit außerdem THE LEATHER BOYS, THE APPALOOSA, THE LAWYER, THE LADY SINGS THE BLUES und DIRECT ACTION - zu dem ich mir übrigens in einem Anfall von risikofreudiger, Ivo Ritzer-induzierter Neugierde noch THE MECHANIK hinzubestellt habe. Mit den Cliff Richards-Vehikeln liebäugele ich zwar, bin allerdings noch etwas ängstlich, weil sie äußerlich so sehr nach diesen deutschen Freddy Quinn- und Rex Gildo-Schnulzen aussehen. Ich fluche innerlich inzwischen noch mehr, dass gerade Filme aus der ersten Hälfte der "mittleren Phase" wie THE NAKED RUNNER, LITTLE FAUSS AND BIG HALSY, HIT und SHEILA LEVINE IS DEAD AND LIVING IN NEW YORK nur in Vollbild zu haben sind.)

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  9. Kurze Eilmeldung: HIT! kommt in den Staaten am 24.04.2012 auf DVD und Blu-Ray raus. Natürlich im korrekten Format!

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  10. Now, ain't that the news?

    Das ist natürlich ein Omen. Die Cinegötter gratulieren mir damit zu meiner Entscheidung, einige tiefere Bohrungen in der Filmographie von Sidney J. Furie vorzunehmen.

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  11. -----O/T-------
    Hiermit wurdest du offiziell in den elitären Kreis, derer aufgenommen, die mit einem Stöckchen beworfen worden sind. Alles weitere gibt's hier nachzulesen:

    http://its-just-a-film.blogspot.de/2012/04/return-of-filmstockchen.html

    Beste Grüße!

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