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Mittwoch, 14. November 2012

Ninja - Champion on Fire


(NINJA OPERATION VI - CHAMPION ON FIRE aka NINJA AVENGERS)
Hongkong 1986
Regie: Godfrey Ho
 

 
Das Zusammenschneiden unterschiedlicher Filme, die ursprünglich nichts miteinander zu tun haben, um daraus dann einen neuen Film zu machen, bringt es mit sich, dass man beim Zusammenschneiden auch Überschneidungspunkte schaffen muss. In den meisten Cut-and-Paste-Filmen löst Godfrey Ho dies über die mediale Ebene des Telefons. Raum und Zeit unterschiedlicher Filme, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind und die auch völlig unterschiedliche Schauspieler aufweisen, die sich logischerweise weder im Film und zumeist auch nicht in der Realität je begegnet sind, werden auf diese Weise verbunden. Dafür ist aber wenigstens das Prinzip eines gemeinsamen epochalen Zeitraumes notwendig. Sollten die Filme zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten spielen, der eine im ausgehenden 20. Jahrhundert, der andere Mitte des 19. Jahrhunderts, dann wird es schwierig. Godfrey Ho verbindet seine beiden Filme auf die denkbar einfachste Weise. Er suggeriert dem Zuschauer einfach, dass die Hauptfigur aus dem von ihm selbst gedrehten Film (wieder einmal Richard Harrison) und die Hauptfigur aus dem wieder verwendeten Film (in diesem Fall Patrick Kelly) sich auf einem Waldweg treffen. Das Ganze wird dann als Schuss/Gegenschuss vermeintlich inszeniert, tatsächlich eher montiert. Bei dem Grundfilm handelt es sich um einen taiwanesischen Genrebastard (FURY IN STORM, 1974, R: Hsu Chin Liang; leider kein IMDb-Eintrag vorhanden). Eine Kreuzung aus Eastern und Western, genauer einem Martial-Arts-Film, der im China des 19. Jahrhunderts spielt und in dem es ein weiteres Mal um die Bedrohung durch die Japaner geht und einem Italo-Western. Dieses Genre vertritt ein katholischer Priester, eher Mönch, der immer mit einem gigantischen Kreuz im Passionsgang umherwandert und sich der japanischen Verbrecherbande angeschlossen hat. Als er von dieser hintergangen wird, schmeißt er sich mit einem aufrechten Kung-Fu-Kämpfer (Chang Yi) zusammen und beide räumen auf.
 
Der andere Teil, also der Teil des Films, den Godfrey Ho mit Richard Harrison, Stuart Smith und den üblichen Verdächtigen gedreht hat, wird hier so vernachlässigt wie selten. Das ist schon daran erkennbar, dass die Ninja-Szenen so austauschbar in ihrer Kampfchoreographie und den wenigen Dialogen erscheinen, dass sie auch problemlos für einen anderen Film gedacht hätten sein können (und wahrscheinlich auch sind, da ich aber erst 32 Ninja-Cut-and-Paste-Filme aus der Schmiede der IFD und Filmark gesehen habe, vermag ich nicht zu sagen, ob und wann dieses Material schon an anderer Stelle verwendet wurde). Ein gewisser Ringo (Stuart Smith) wurde hier aus dem Knast entlassen und schwört dem Mönch Antonio aus dem Grundfilm blutige Rache. Der soll ihn nämlich durch Verrat dort hingebracht haben. Gordon (Richard Harrison) wird mal eben zu Antonios Bruder gemacht und muss verhindern, dass diesem etwas geschieht. Die beiden Filmteile in NINJA - CHAMPION ON FIRE wirken wesentlich unverbundener als sonst. Ho hatte entweder erkannt, dass aus dem Material mit Harrison nicht mehr herauszuholen war, oder es war von Anfang an geplant hier möglichst wenig Selbstgedrehtes zu verwenden und lieber den Originalfilm durchlaufen zu lassen.
 
So folgt man eher der Geschichte aus dem Grundfilm und erhält schöne Einblicke, wie im taiwanesischen Mainstream-Kino der 1970er westliche Trends aufgegriffen wurden und wie man so über uns gedacht hat. Im Grunde handelt es sich um eine Art Umkehrung der Nationalitäten bei Beibehaltung der üblichen Figurenkonstellationen. Es ist nicht, wie in früheren als politisch heute nicht mehr korrekt eingestuften Darstellungen (seltsamerweise heutzutage aber häufiger anzutreffen als je zuvor, aber jetzt glaubt man ja alles mitzureflektieren), der schlitzäugige Chinese/Japaner/Koreaner-Egal-sehen-ja-eh-alle-gleich-aus-Typ, der als comic relief taugt, sondern eben der depperte Gweilo, der mit den Insignien seines christlichen Glaubens, die hier immer wieder der Lächerlichkeit preisgegeben werden, durch den Film stolpert, tölpelhaft in die Kamera blickt, für Asiaten ekelhaft anzuschauende Körperbehaarung hat, Frauen wie ein Tier anfällt und auch sonst von seinem gutmütig-mitleidig lächelnden chinesischen Freund öfters mal zur Ruhe gerufen werden muss. Auch ist der Gweilo eher ein zu domestizierender Wilder und in seinem großen Holzkreuz befindet sich genau das Utensil, dass uns aus diversen Italowestern bekannt ist. Das Kreuz der Missionierung bringt den Tod, deutlicher geht's kaum. Im Konkreten geht es wieder einmal um ein chinesisches Nationalheiligtum, das von den bösen Japanern entwendet wurde. Der tapfere Kung-Fu-Kämpfer ist an dessen Rückeroberung interessiert, um die Ehre des chinesischen Volkes wieder herzustellen, der Gweilo sinnt auf Rache für den Verrat seiner früheren Gang und will die Kohle abgreifen, die natürlich auch irgendwie im Spiel ist. Dazwischen wird viel gerülpst, vergewaltigt und geschmatzt beim Essen. Seltener war der Ninja-Plot so fern wie hier.
 
FURY IN STORM ist bei Weitem nicht so ausgereift wie seine international bekannteren Vorbilder IN MEINER WUT WIEG' ICH VIER ZENTNER oder DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE. Das mag zum einen daran liegen, dass FURY IN STORM nicht im Westen, sondern im Osten spielt und der Westernrecke sich eher als Hans Wurst durch die Easternkulisse schlägt, zum anderen wohl daran, dass taiwanesische Filme den South Asian Film Circle seltener verlassen haben, als ihre großen Brüder aus Hongkong.
 
Diese Cut-and-Paste-Produktion gehört, was das Cut-and-Paste angeht, sicherlich zu den schwächeren Filmen, bietet aber in der deutschen Synchro gut aufgelegte Sprecher und transportiert so ein wenig den Schwung des verstümmelten Originalfilms. Sowohl eine Wirtshausschlägerei, als auch das Finale wussten zu begeistern. Dissoziierende Momente gab es eher selten, was natürlich schade ist, wenn man die übliche Ausgeflipptheit der Ho-Ninja-Flicks sucht.
 

 
P.S. Im Internet trifft man immer wieder auf die Behauptung, die Namen Joseph Lai, Betty Chang und Tomas Tang seien Fakes und tatsächlich stünde Godfrey Ho hinter allem. Hier verlinke ich mal zu einem Interview mit IFD-Chef Joseph Lai von Mike Leeder geführt und hier zu einem Interview mit Richard Harrison, wo die Existenz von Joseph Lai ebenfalls bestätigt wird.
 
P.P.S. An dieser Stelle wird behauptet, ich hätte etwas gegen Italowestern. Dem muss ich scharf widersprechen. In Italowestern könnte ich mich reinlegen. Die haben mich auf die Droge Film gebracht. :)

Kommentare:

  1. Da bin ich gerade überfordert. Soll das bedeuten, dass Ninjafilme besser sind als Italowestern, oder das es eine kausale Verbindung gibt, bei der das eine aus dem anderen folgt?

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  2. Hm. Ich weiß das gar nicht mehr so genau... :D

    Neh, quatsch. Natürlich mein ich damit ersteres. Man schaue sich nur an, was der Godfrey Ho für geile Sachen gedreht hat. Da können Leone und Corbucci einpacken.

    Allerdings muss ich zugeben, dass meine Kompetenzen Italowestern-Bereich doch ziemlich Mitleid erregend sind. ;-) Die Schätze liegen wahrscheinlich wie immer sehr tief unten.

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