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Dienstag, 17. Juni 2014

BORN RECKLESS

BORN RECKLESS

Der vierte Tonfilm Fords ist ein Gangster-Krimi, der noch ein halbes Jahr vor der Initialzündung des Genres DER KLEINE CAESAR in die Kinos kam und die Geschichte des Italo-Amerikaners Louis Beretti erzählt, der seinen noch aus Italien eingewanderten Eltern den hart arbeitenden LKW-Fahrer vorspielt, während er tatsächlich der Anführer einer Gangsterbande ist. Nachdem er aufgrund einer PR-Kampagne für die Wiederwahl eines Richters zum Kriegsdienst verdonnert wird, kehrt er aus WW I zurück und sucht Abstand zu seinem früheren Leben. Doch das ist nicht so einfach. In den ersten Jahren des Tonfilms wies man Filmregisseuren in Hollywood noch Dialog-Regisseure zu. Andrew Bennison kam vom Theater und mischte sich, sehr zum Ärger Fords, derart in die Regie ein, dass der Film arg statisch geriet und Bennison sogar einen Co-Credit für sich beanspruchte (den er im Vorspann nicht bekam). So blitzen nur in seltenen Momenten inszenatorische Kabinettstückchen auf. Trotz allem einen Blick wert, da Ford lediglich 5 Krimis gedreht hat und jeder für sich ein interessanter Beitrag zum Genre ist.

Eine wilde Schießerei auf den Straßen New Yorks

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Der Coup beim Juwelier schlägt fehl

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Die finale Konfrontation

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Kommentare:

  1. Tolle Reihe, gerade erst entdeckt! Schade aber, dass es mit der Magical Mystery Tour nicht mehr weiter gehen wird.

    Ich bin zwar bei weitem kein Ford-Experte und habe die meisten seiner Filme noch nicht gesehen, doch konnte mich Fords Regieleistung bisher immer in ihren Bann schlagen, ob bei einem Frühwerk wie Bucking Broadway oder einem späteren Film wie The Searchers. Ford war meiner Meinung nach so ziemlich von Beginn an ein genialer Regisseur, egal in was für einem Genre oder unter welchen Bedingungen er tätig war.

    Umso überraschter war ich während meiner ersten Sichtung von BORN RECKLESS, der mich nun ganz und gar nicht an Ford erinnern wollte, und mich als erster Film von ihm enttäuschte. Klar, einige Momente und Einfälle waren (mehr als) interessant, die Schauspieler hatten gute Szenen, und an der Kameraarbeit an sich gab es wenig zu meckern, (auch wenn vieles holprig war und seltsam wirkte). Als jemand der Filme grundsätzlich aus der "Regie-Warte" betrachtet, waren der Qualitätsverfall und die meiner Meinung nach völlige Desorientierung und Ziellosigkeit der Inszenierung aber frappierend.

    Im Nachhinein, bei der Recherche zur Entstehung und den Hintergründen lichtete sich dann mein zeitweiliges Unverständnis, und die vielbeschrieene Praktik der Dialogregisseure nahm für mich eine unheilvoll-konkrete Gestalt an. Wenn man sich überlegt, was für einen Krimi-Klassiker Ford wohl zustande gebracht hätte, wenn man ihm die Regie von BORN RECKLESS überlassen hätte? So ist der Film eine verpasste Gelegenheit, aber für mich eines der Beispiele, an dem sich der hartnäckige Mythos, Hollywood hätte lange mit der Umstellung auf Ton zu kämpfen gehabt, tatsächlich festmachen lässt.

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  2. Wenn man sich den unmittelbar Folgenden UP THE RIVER ansieht, meint man es mit einem völlig anderen Regisseur zu tun zu haben. Da saust und swoscht die Kamera nur so hin und her. Da wird mit gut gelaunter Spielfreude agiert. Ganz anders als die starre Stage-Kamera bei BORN RECKLESS, weil sich nach Bennisons Meinung alles dem Theater-Sprech des Dialogs unterzuordnen hatte.

    Mit dem nächsten Ford, den ich hier besprechen werde, STADTGESRPÄCH, seinem 16. Tonfilm, hat er ja für einige Kritiker und Filmhistoriker ein kleines Meisterwerk des Gangster- und Kriminalfilms abgeliefert, welches das Genre schon in einer Art und Weise parodiert, als befänden wir uns nicht mitten in der Blütezeit dieses Genres, sondern hätten es schon weitgehend abgegrast und auch noch Elemente des film noir avant la lettre vorweggenommen. Eben diese Kritiker sind verwundert, warum der Film heute filmgeschichtlich vergessen ist, aber es liegt wohl an dem Ruf, den Ford hat. Da passen Kriminalfilme nicht rein. Und dabei versucht er in seinem letzten Kriminalfilm, CHEFINSPEKTOR GIDEON, den er 24 Jahre nach STADTGESPRÄCH gedreht hat, sogar noch durch seine Bildsprache darauf zu verweisen, dass selbst ein pädophiler Mörder eine Seele hat, mit der man Mitleid empfinden kann.

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  3. Ja, das mit der statischen Kamera im frühen US-Tonfilm ist so ein Mythos der wohl nur für 1927/1928 gilt. Danach gab's oft kein Halten mehr im Erfindungsreichtum der Kameraleute, viel extremer noch als es mir aus den meisten Stummfilmen bekannt ist.

    Ford hat eben das Pech - oder das Glück - wie manch anderer, sehr viele Filme gedreht zu haben. Raoul Walsh ergeht es beispielsweise sicher nicht viel anders. Selbst bei Hitchcock heißt es ja immer Krimi, Krimi, Krimi, und Meisterwerke wie THE MANXMAN (1929) oder WALTZES FROM VIENNA (1934) und sonstige "untypische" Sachen werden beiseite gewischt. Höchstens ne Krimikomödie wird t noch akzeptiert...

    Habe aber das Gefühl, dass inzwischen zumindest die Komödien von Ford "rehablilitiert" worden sind.

    Man muss einfach besser hinsehen. Und eben nicht das erwarten, was man von einem bestimmten Regisseur generell so erwartet, sondern auf die Inszenierung von dem achten, was da ist. Einer meiner Favoriten der damaligen Zeit, der auch von den 10er Jahren bis in die 60er weit über 100 Filme gedreht hat, kommt oft schlecht weg, weil er kein Genre hatte, welches das Publikum oder die Kritiker mit seinem Namen verbunden hätten. Stattdessen hat er auch in allen möglichen Genres faszinierende Filme abgeliefert. Ich meine Michael Curtiz, der neben CASABLANCA locker noch mindestens ein Dutzend ebenso tolle Sachen gedreht hat (und 1932 übrigens auch das brillante Gangstermelodram 20,000 YEARS IN SING SING).

    Curtiz ist natürlich kein Ford, er machte oft wenig persönliche Filme, die aber deshalb nicht schlechter sein müssen, auch wenn ihnen die feinen Ziselierungen und nachdenklicheren Momente des Stillstands oft abgehen. Aber wer drehte schon Filme wie John Ford. Nicht Viele.

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