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Montag, 23. Juni 2014

JUDGE PRIEST

JUDGE PRIEST

Tonfilm Nr. 15: JUDGE PRIEST ist, anders als DR. BULL, die Entführung in eine Traumwelt (die Brennweite taucht den Film immer in eine verklärte Unschärfe). Es ist eine Welt, wie die Süd-Staaten nie gewesen sind. Und gleichzeitig wird ihre Lebensart genau getroffen. Nur in so einem Film kann man Schwarze zeigen, die glücklich in ihrer Dienstboten-Rolle sind, und man empfindet es als vollkommen in Ordnung. Nur in dieser Darstellung eines so nie gewesenen Südens, in dieser Verklärung, kann sich die absolute Wahrhaftigkeit zeigen. Auch spielt Will Rogers hier nicht ruppig und abweisend, sondern fast etwas verträumt, mit schauspielerischem Stotter-Sprech. Abgesehen davon, dass Ford hier in die Verengung drängt, nach einem ausufernden Film wie DAS LEBEN GEHT WEITER, bricht er die konventionelle Narration auf und lässt Priest als Verbindungsglied sämtliche Handlungsstränge nicht nur durchlaufen, sie durchziehen ihn. Mit einem absichtlich zu weiten Croquet-Schlag stößt er Ereignisse an, mit einer absichtlichen Emotionalisierung durch draußen gespielte Musik, während drinnen der Prozess läuft, manipuliert er die Jury und lässt Ford intra- und extradiegetische Ebene reziprok zusammenfallen. Man kann über den umstrittenen schwarzen Filmkritiker Armond White denken was man will. Er bezieht klar Stellung gegen Rassismus. In JUDGE PRIEST sieht er ein Meisterwerk der Ehrlichkeit über das Leben der Schwarzen im Süden, wie es das Kino bis heute nicht mehr erreicht hat. Abgesehen von dieser Einschätzung ist die Leichtigkeit und gleichzeitige Perfektion des Films einfach nur verzaubernd. Der Gleichfluss des Lebens mit all seinen Schattierungen.

Der Film beginnt für einen Hollywood-Film seiner Zeit ungewöhnlich. Statt der Einblendung des Firmenlogos oder der Credits, ruft Priest erst mal zur Ruhe

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Priest liest während des Prozesses lieber die Comic-Strips

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Der Angeklagte, Jeff Poindexter, ist eingeschlafen

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Strukturen des absurden Theaters. Statt eines Richterspruchs, blendet Ford mitten aus der Verhandlung in eine andere Szene und der Prozess wird dadurch aufgelöst, dass Richter und Angeklagter zusammen fischen gehen

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Priests Neffe Jerome und Ellie May, die im Ort geächtet wird, müssen auch noch zusammengebracht werden

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Die Spiegelung in die andere Welt. Priest hat seine komplette Familie schon vor vielen Jahren verloren

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Ford erkannte das Potenzial von Hattie McDaniel und drehte mit ihr zusätzliche Szenen, die nicht vorgesehen waren. Dieser Film wurde ihr großer Durchbruch

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Priest wird für den wichtigsten Prozess des Dorfes als befangen abgelehnt. Unter dem Bild Robert E. Lees beschwört er den stolzen Kampf des Südens und sagt den wichtigen Satz: "When I quit fighting in '65, for what we thought, it was right."

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Nach seiner Ansprache platziert Priest den richtigen Zeugen. Historie wird durch die Überblendung in Einklang verschmolzen, wenn über die Rekrutierung Strafgefangener im Sezessionskrieg gesprochen wird. Gleichzeitig gibt Ford Verweise auf das amerikanische Rechtssystem, welches, wenn Beweise fehlen, nur über Integrität funktionieren kann. Auf filmhistorischer Ebene haben wir eine Intertextualität, weil der Zeuge von Henry B. Walthall gespielt wird, der einen Süd-Staaten-Colonel in Griffiths DIE GEBURT EINER NATION gespielt hat

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Priests Taktik geht auf. Er steigert die emotionale Rede des Zeugen, in dem er draußen den Dixie spielen lässt. Die Jury merkt gar nicht, wie sie eingelullt und beeinflusst wird

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Priest ruft Jeff Poindexter zu, dass er das großartig gemacht hat. Er hatte ihm dafür seinen Waschbären-Pelz versprochen, doch jetzt könne er auch seine weiße Weste haben. Jeff zeigt lachend, dass er die doch schon längst trägt

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In Fords nicht näher benanntem Märchen-Ort marschieren bei der Reunion-Parade zum Stolz des Südens Schwarz und Weiß gemeinsam. Die schwarzen Kinder als Symbol einer neuen Hoffnung

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