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Mittwoch, 25. Juni 2014

STADTGESPRÄCH

STADTGESPRÄCH

Fords 16. Tonfilm führte ihn zum ersten Mal zur Columbia. Der Film wurde 1934 realisiert und kam im Februar '35 in die Kinos. Niemand Geringeres als Edward G. Robinson sollte die Hauptrolle spielen und Ford drehte hiermit einen seiner wenigen Kriminalfilme. Und so ist STADTGESPRÄCH in vielen Belangen als ungewöhnlich zu bezeichnen. Ford liefert im Grunde mehrere Richtungen in einem Film ab. Erzählt wird die Geschichte eines schüchternen und duckmäuserischen Büroangestellten, Arthur Ferguson Jones, der rein zufällig dem Staatsfeind Nr. 1, "Killer" Mannion, bis aufs Haar gleicht. Was Ford aus der Geschichte vom "bösen Zwilling" macht, ist in den extremsten Szenen eine das Genre bis zur Groteske parodierende Komödie, in der ersten Hälfte mit derartiger Hochgeschwindigkeit inszeniert, dass es fast schon zu viel wurde. Dann das Tempo rausnehmend, um den Film doch noch eine ernste Note zu geben und die eigentlich erst im film noir wirklich entwickelte Geschichte, dass "Der Gute" sich im "Bösen" wiederfindet und umgekehrt auch noch mitlaufen zu lassen. In nicht mal 12 Stunden ändert sich das Leben des Arthur Jones. Morgens, zum ersten Mal seit 8 Jahren, verschläft er, wird deswegen befördert und entlassen gleichzeitig, wird in der Mittagspause als "Killer"Mannion identifiziert, wird in einer der größten Polizeiaktionen der Stadt New York verhaftet, während seines Verhörs von der Presse bereits als "gefasst" bezeichnet, ist fast schon bereit, die andere Identität anzunehmen, die Stimmung in der Stadt wird zur reinen Hysterie, die Fingerabdrücke werden schnell rein gereicht und entlasten Jones, nun bejubelt ihn die Presse - gerade rechtzeitig zur Abendausgabe - als den Doppelgänger von "Killer" Mannion und Jones, der wieder zur Arbeit torkelt, erhält von seinem Chef, der die Presse nutzen möchte zu Werbungszwecken, den Auftrag Geschichten über sein Alter Ego zu erfinden. Abgefüllt vom Boss und in Selbstgesprächen große Reden schwingend, im Geiste mit einer "Pfeife wie Mannion" abrechnend, kommt er in sein Ein-Zimmer-Appartement. Da die Hysterie und die Geschichte um den Doppelgänger innerhalb von wenigen Stunden derart die Runde in der Stadt gemacht haben, hat der Staatsanwalt dem armen Jones einen Pass ausgestellt, der ihn als Jones identifiziert. So hat er Ruhe, da ihn sonst "alle 15 Minuten" ein Polizist auf irgendeinem Revier anschleppt. Doch bei ihm zu Hause wartet jemand, der den Pass gut gebrauchen kann: der echte "Killer" Mannion. Ein auch nach 80 Jahren durch den Schnitt und die Kamera kaum gealterter Film. Robinson erweiterte hier sein Rollenspektrum, da er bis dahin in Hauptrollen ausschließlich Bösewichter spielte. Seine Kontrastierung beider Figuren, die hervorragende Doppelgänger-Tricktechnik und Fords alle Ebenen der Erzählung bis zur Perfektion beherrschender Stil, machen den Film zu einem kleinen Meisterwerk des Gangster-Genres der 1930er. Es gibt Filmhistoriker, die sich wundern, warum dieser Film filmgeschichtlich so vergessen wurde. Leider wird der Ruf des Regisseurs damit zusammenhängen.

Rasende Kamerafahrt durch den Bürostress

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Jones führt ein sehr ereignisloses Leben

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Clark, die geheime Liebe Jones', interessiert sich wenig für Arbeitsmoral

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Die Schande der Nation: "Killer" Mannion

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Jones testet, ob er wirklich so scheußlich aussieht, wie die Presse es über Mannion berichtet. Ford arbeitet mit einem gern genommenen Motiv des film noir: der Spiegel

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Ford zeigt die durch den Staat aufgeheizte Stimmung Gangster zu Staatsfeinden zu erklären in ihrer ganzen Lächerlichkeit durch das Verhalten des Staatsapparates

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Ford zeigt in Überblendungen wie Jones von der Presse fertig gemacht wird

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Der kleine Angestellte wird vom Chef plötzlich zur Kenntnis genommen. Mit ihm kann man (kostenlose) Werbung machen

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"Killer" Mannion findet das alles wenig erheiternd

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Jones oder Mannion?

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